VON Tobias Reitz ZU Täglich im Türmchen | 25.08.2015
SCHLAGWÖRTER

Ein letzter Schoppe auf Dich –

wir trauern um Florian Stiel

Am 17. August 2015 starb unser Freund und Kollege Florian Stiel. Er wurde 28 Jahre alt. 

Florian Stiel

„Yeah, Yeah, Yeah.“ Das waren Flos letzte Worte in unserer Slack-Gruppe. Es war Freitag, der 7. August 2015. Flo, zurück vom Surf-Urlaub in Spanien, kommentierte einen soeben neu bestätigten Auftrag. Wahrscheinlich freute er sich tatsächlich, am Montag wieder an seinem Schreibtisch im quäntchen + glück-Büro zu sitzen.

Flo hatte gerade ein Auslandssemester in São Paolo hinter sich als er 2013 als studentische Aushilfe zu uns kam. Über diesen Status war er schnell hinaus. Noch bevor er 2014 sein Kommunikationsdesign-Studium mit Diplom abschloss, wurde Flo das, was andere Agenturen als Art Director bezeichnen. Er prägte das visuelle Erscheinungsbild unserer Agentur und viele unserer Kunden.

Nach dem Diplom wurde aus der halben Stelle eine fast volle Stelle – fast voll, weil Flo drei Tage Wochenende lieber als zwei Tage waren. Er stellte eine grüne Hulk-Figur und ein lustiges Foto von sich und seiner Freundin auf den Tisch, er hortete Papierproben und wenn er, wie vor wenigen Wochen, in den Urlaub fuhr, klebte er einen Zettel auf den Schreibtischstuhl. Den durfte niemand verstellen. Er war angekommen. Er gehörte dazu.

Flo verstand es, auf den richtigen Moment zu warten. Wenn er einen Spruch raushaute, dann saß er. Und wenn es etwas zu tun oder zu feiern gab, dann kam er. So schusselig wie er manchmal war, auf ihn war 100 Prozent Verlass.

Am besagten Montag blieb Flos Platz leer. Ein Anruf. Flo sei von einem Auto angefahren worden. Samstagnacht auf dem Weg nach Hause. Schwere Kopfverletzungen. Lebensgefahr. Wir sollen uns keine Hoffnungen machen, dass er noch einmal zurückkommen würde.

Die Hoffnung, die wir uns bis zuletzt machten, verblasste wenige Tage später. Am 17. August starb Flo an den Folgen der schweren Hirnverletzungen.

Wir haben einen Kollegen verloren. Wir haben einen Freund verloren. Das ist leichter geschrieben als verstanden. Unsere Gedanken sind bei Flos Familie, besonders bei seiner langjährigen Freundin.

Sie sind aber auch bei vermeintlichen Nichtigkeiten: Wie informieren wir Mitarbeiter und Kunden? Kann ich in dieser Situation in den Urlaub fahren? Was schreiben wir in seinen Auto-Responder? Sollen wir das lieber lassen? Was wird aus den ganzen Projekten? Wie können wir die Stelle möglichst schnell und neu besetzen? Welche offiziellen Dokumente und Bescheinigungen brauchen wir? Was wird aus seinem Profil auf unserer Team-Seite? Können wir im September unser fünfjähriges Agenturjubiläum feiern? Können wir einfach so weitermachen?

Wir müssen weitermachen. Und wir werden Zeit zum Verstehen brauchen. Flo wird für immer Teil der Geschichte von quäntchen + glück bleiben. Und quäntchen + glück ein kleiner Teil Flos Geschichte.

Wenn wir in wenigen Tagen offiziell Abschied nehmen, werden wir Schoppe Schorsch auf ihn trinken. Er war so stolz auf „seinen Äppler“, sein Lieblingsprojekt. Guude Flo. Wir werden Dich vermissen.

Tobias Reitz

Über den Autor

Tobias Reitz

Stünden auf Tobias Reitz Visitenkarte all seine Jobs und Titel, bräuchte sie ein Sonderformat: Er ist immer da, wo gute Ideen gebraucht werden. Während des Online-Jornalismus-Studiums am Mediencampus gründete er erst den sagenumwobenen darmspiegel-Verlag, dann quäntchen+glück. Er veranstaltete die klimaneutrale Organic Disco und organisiert mit Freunden und Kollegen den Darmstädter Webmontag und das Usability Testessen. Anfang 2016 kam das Großprojekt „Sohn“ dazu, seitdem passiert der Rest in Teilzeit.

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