VON Tobias Reitz ZU Newsletter | 17.08.2022

überarbeit #23

Krise braucht Zukunft

Schon lange im Postfach, ab heute auch im Blog!

Hallo und herzlich willkommen zu überarbeitnummerdreiundzwanzig!

24. Juni 2022, Eilmeldung. Der Supreme Court, das oberste Gericht der USA, kippt nach fast 50 Jahren das landesweit geltende Recht auf Schwangerschaftsabbrüche. In vielen Bundesstaaten können Schwangere plötzlich nicht mehr über ihren eigenen Körper bestimmen. Täglich lesen wir über Krieg, Inflation, Pandemie, Demokratie-, Hunger-, Energie- und Klimakrise – doch es war diese eine Nachricht, die mich nicht losließ. Wenn selbst das, was wir längst für selbstverständlich halten, nicht mehr selbstverständlich ist, wie sollen wir als Gesellschaft die Probleme lösen, die uns wirklich beschäftigen sollten?

Resigniert auf dem Sofa sitzend, dachte ich über Resilienz nach. Zumindest dieser Begriff hat Hochkonjunktur. Er kommt aus der Psychologie und bezeichnet die Fähigkeit eines Menschen, sich trotz belastender Umstände gut zu entwickeln. Längst wird Resilienz auch auf Wirtschaft und Gesellschaft übertragen. Städte, Unternehmen, Teams – sie alle sollen anpassungsfähiger und krisenfester werden.

An Resilienz ist nichts auszusetzen. Es ist gut, auf Schocks und Stress flexibel zu reagieren und sich schnell zu erholen. Schwierig wird es, wenn wir Menschen bezüglich ihrer Resilienz vergleichen. Wenn Petra mit einer zu hohen Arbeitsbelastung besser klarkommt als Peter, sollte es nicht darum gehen, Peter resilienter zu machen, sondern die Arbeitsbelastung zu reduzieren. Oder anders gesagt: die Fähigkeit, eine Krise zu akzeptieren ist wichtig – aber sie löst die Krise nicht.

Wenn es also kein Resilienz-Training ist, was Organisationen ihren Teams in diesen Zeiten bieten sollten, was ist es dann?

Erstens: Raum, um darüber zu sprechen, was Krisen mit uns machen. Neben dem schnellen Krisenstab braucht es Entschleunigung. Zeit um zu verarbeiten, zu reflektieren, zu verstehen und füreinander da zu sein. In besseren Zeiten mögen Team-Offsites und -Retreats ein netter Bonus sein – in schlechten Zeiten sind sie Fürsorge.

Zweitens: Raum, um wirksam sein zu können. Menschen sind nicht dafür gemacht, 24/7 mit Krisen konfrontiert zu werden. Die Journalistin Amanda Ripley hat dazu einen lesenswerten Artikel in der Washington Post veröffentlicht, in dem sie bekennt, zu den 40 Prozent der Amerikaner*innen zu gehören, die es vermeiden, Nachrichten zu sehen, hören oder lesen. Katastrophen mögen gut klicken; was Menschen aber wirklich brauchen, ist Selbstwirksamkeit zu spüren.

„Feeling like you and your fellow humans can do something — even something small — is how we convert anger into action, frustration into invention. That self-efficacy is essential to any functioning democracy.“ (Amanda Ripley)

Neben dem Blick auf die Krise, braucht es den Blick auf das, was wir verändern können. Auf die Chancen, die in der Krise stecken. Die positiven Zukünfte, die sie vielleicht möglich macht. Menschen dabei zu helfen, in ihrer Organisation, ihrer Nachbarschaft, ihrem Umfeld Positives zu bewirken – das ist das beste Mittel gegen Resignation. Und trotzdem: Hört nicht auf, euch zu empören!

Mehr zu Krise und Zukunft gab´s bei unserer letzten Ausgabe von Erst Lunch, dann Learn, falls ihr diese verpasst haben solltet, schaut doch gerne in unseren Recap der Session und damit nun endlich viel Spaß mit #überarbeit 23 – dem Newsletter für alles.

Tobi und die quäntchen

PS: Wir freuen uns über Feedback, Ideen und Anregungen. Antworte einfach auf diese Mail. Du erreichst garantiert keinen Roboter, versprochen.

Das, was viele „New Work” nennen, ist bei uns new since 2010. Seit Gründung probieren wir bei quäntchen + glück gemeinsam aus, wie wir miteinander arbeiten möchten.

Falls Du new beim Newworkletter bist – die älteren Ausgaben gibt es hier zum Nachlesen.

1. Erst Lunch, dann Learn: Krise braucht Zukunft

Klima, Krieg und Katastrophen. Warum an die Zukunft denken, wenn die Gegenwart schon aufregend genug ist? In unseren Workshops und Prozessen erleben wir: Gerade Zeiten multipler Krisen hat die Arbeit mit Zukünften und Utopien einen immensen Nutzen für Teams, Orte und Organisationen.

Bei der zwölften Ausgabe von „Erst Lunch, dann Learn“ zeigt euch Tobi unsere liebsten Modelle und Methoden des Futures Thinking – von Futures Wheel bis Press Release from the Future, von Threatcasting bis Backcasting. Und natürlich gibt’s auch wieder Einblicke in unsere Küchen und viel Raum zum Diskutieren und Ausprobieren.

2. Alles über den Schontag – jetzt auf einer Website

2. Alles über den Schontag – jetzt auf einer Website
Die treuen Newsletter-Abonnent*innen und alle, die uns schon mal montags eine E-Mail geschrieben haben, kennen den Schontag natürlich. Also, dass wir jeden Montag ein internes Remote-Barcamp machen, um dann von Dienstag bis Freitag frei von internen Meetings zu arbeiten, bla bli blubb.

Der Schontag ist das Herzstück unserer Organisation und macht flexibles und hybrides Arbeiten erst möglich. Vielleicht auch deshalb stößt der Schontag auf immer größeres Interesse, weswegen wir ihm eine eigene Website gegönnt haben.

Unter qundg.de/schontag erklären wir:
👉🏼 Wie der Schontag abläuft
👉🏼 Was der Schontag möglich macht
👉🏼 Wie der Schontag unter anderem von Teams der HEAG mobilo und AOK PLUS adaptiert wurde
👉🏼 Wie ihr herausfindet, ob ein Schontag auch etwas für euer Team ist

Übrigens: Regelmäßig öffnen wir den Schontag für Gäste. Wenn du Lust hast, melde dich einfach bei uns!

3. Facilitation-Schnupperstunde Spezial: Endlich Breakouts nutzen!

In Gesprächen mit Kund*innen und Teilnehmenden unseres Remote Facilitation Trainings hören wir immer wieder, dass viele in ihrer Organisation noch nie eine Breakout Session in einer Videokonferenz erlebt haben. Und das nach zwei Jahren Homeoffice und Remote Work.

Dabei sind Breakouts in allen gängigen Videokonferenz-Tools längst eine Standardfunktion und zudem das beste Mittel, um die Leisen lauter und die Lauten leiser zu machen. Breakouts sorgen für mehr Zufälle, mehr Austausch, mehr Intimität, mehr Dialog. Fragt man nach den Gründen für die Nicht-Nutzung, sind Angst vor der Technik und Kontrollverlust sowie fehlendes Know-How die Top-Antworten.

Im frisch gestarteten Sommerkurs unserer Facilitation-Ausbildung geben wir Breakouts diesmal noch mehr Raum – vor allem zum Üben. Die Teilnehmenden erstellen entweder ihre ersten eigenen Breakouts oder bekommen Spezial-Breakout-Aufgaben, wie das Umbenennen von Räumen, Verschieben von Teilnehmer*innen, Versenden von Infos in Breakout-Räume.

Für alle, die schon immer mal in sicherer Umgebung Breakouts ausprobieren wollten, boten Isabelle, Lena und Jacob eine „Schnupperstunde Spezial“ am 26. Juli in Zoom an. Solltest du das verpasst haben oder nicht genug bekommen, kannst du uns hier auf Eventbrite folgen. Wenn du Interesse an unserem Remote-Facilitation-Programm hast, geht’s unten zu den Infos und der Anmeldung zum diesjährigen Herbstkurs.

4. Mit dem System spielen – die 3D-Mapping-Methode

Neu für uns entdeckt haben wir in diesem Sommer die 3D-Mapping-Methode, ursprünglich entwickelt vom Presencing Institute um Otto Scharmer (Theory U). Für Teams und Organisationen, die ihre Strukturen in Frage stellen und weiterentwickeln möchten, ist 3D Mapping ein erkenntnisreicher Startpunkt. Nachdem wir die Methode bei gleich drei verschiedenen Offsites einsetzen konnten, wollen wir sie hier kurz vorstellen und unsere wichtigsten Erkenntnisse und Weiterentwicklungen teilen:

Das 3D Mapping gliedert sich in vier Phasen: zwei Bau- und zwei Reflexionsphasen. Insgesamt solltest du mindestens 80 Minuten für die Übung einplanen. Die Teilnehmer*innen finden einen Tisch mit Spiel- und Bastelmaterialien vor: Knete, Pfeifenputzer, Puschel, buntes Papier, Playmobil, Lego, Duplo, Schleichtiere. Ihre Aufgabe: aus den Materialien ein Modell ihres Teams oder ihrer Organisation zu bauen. Nacheinander fügen sie dafür Gegenstände zum Modell hinzu und erklären die Platzierung und die Symbolik. Metaphern helfen, unbequeme Wahrheiten auszusprechen. So wird der Gummi-T-Rex, der zu groß für die Spielzeug-Mülltonne ist, zu den Altlasten, die man einfach nicht los wird.

Nach etwa 20 Minuten endet die erste Bauphase. Die Teilnehmer*innen laufen nun um das Modell herum und betrachten es aus vier Perspektiven. Zu jeder Perspektive gibt es eine Reflexionsfrage. Im Vergleich zum Original haben wir diese Fragen etwas vereinfacht.

Dann beginnt die zweite, mindesten 20-minütige, Bauphase. Die Teilnehmer*innen sind aufgefordert, das Modell so zu verändern, dass eine Struktur entsteht, die sie für zukunftsfähig halten: die Soll-Struktur. Es können Elemente entfernt, verschoben und hinzugefügt werden. Wichtig bleibt, dass jede Veränderung erklärt wird.

Nun wiederholt sich das Spiel: Wieder laufen die Teilnehmer*innen um das Modell herum, wieder gibt es vier Reflexionsfragen. Die drei wichtigsten aus unserer Sicht: Was waren die ersten Veränderungen, die ihr vorgenommen habt? Was waren die wichtigsten Veränderungen, die ihr vorgenommen habt? Was könnt ihr gleich morgen tun, um einem solchen Modell näher zu kommen? Diese Erkenntnisse zeigen Handlungsoptionen auf.

Unsere eigenen Erkenntnisse:

  • 3D Modelling gibt einem ernsten und komplexen Thema, nämlich Team- und Organisationsstruktur, eine angenehme Leichtigkeit.
  • Im Kontext des Videokonferenzalltags genossen die Teilnehmer*innen das gemeinsame haptisch-spielerische Arbeiten.
  • Gemeinsames Modellieren stärkt das Team.
  • Allen Gruppen hat die Methode geholfen, Probleme in ihren Strukturen zu erkennen und zu benennen.
  • In einem der Offsites ließen wir die Teilnehmer*innen die Reflexionen direkt in Miro dokumentieren. Klappte prima, schneller und lesbarer!
  • Vier bis fünf Personen ist eine optimale Gruppengröße pro Tisch. Wenn das Team größer ist, empfehlen wir, mehrere Stationen aufzubauen und anschließend einen kleinen Werkschau-Spaziergang von Tisch zu Tisch einzuplanen. Zu sehen, welche Unterschiede und Gemeinsamkeiten es bei Modellen und Reflexionen gibt, bringt weitere Erkenntnisse.
Wir merken, wie wichtig es für Teams ist, sich gerade in diesen bewegten Zeiten Zeit für sich zu nehmen. Wenn du denkst „Ach ja, das wäre für mein Team gerade genau richtig!”, dann, melde dich gern bei uns – T-Rex, Feuerwehr und Kinderknete sind bereit zum ändern!

5. New Work trifft Nachhaltigkeit – Anna und Kersten zu Gast im Insights-Podcast von Boris Gloger

Wie macht New Work Unternehmen nachhaltiger – und funktioniert das überhaupt? Anna und Kersten haben sich mit Boris Gloger unterhalten und – guter Gastgeber, der er ist – hat er die beiden nicht nach 45 Minuten abgewürgt, sondern dem Gespräch den Raum gegeben, den es brauchte.

Hier ist übrigens auf keinen Fall nur der Podcast interessant, sondern auch Boris Erkenntnisse aus dem Gespräch, die er in einem Blog-Artikel verarbeitet hat. Danke für die Einladung, wir kommen gerne wieder vorbei!

6. Und sonst so?

Eine wahre quäntchen-Co-Produktion ist der Artikel „Utopien zum Umsetzen“ im Darmstädter Stadtkulturmagazin P. Daniel hat illustriert, Anna und Tobi haben geschrieben. Nämlich darüber, wie viel Sexyness im unsexy Begriff Konzeptvergabeverfahren steckt. Spoiler: eine ganze Menge. Und das nicht nur für Darmstadt sondern für alle Städte und Kommunen.

 

Unser Facilitation-Freund Janek Panneitz war im Juni mit seinen 3D-Projektwelten zu Gast in der queststadt. Wir fanden die 3D-Projektwelten super, Janek fand die queststadt super. Naheliegend also, dass Janek auf seiner nächsten Ausbildungstour auch in Darmstadt Halt machen wird. Wer Lust hat, selbst Workshops mit den 3D-Projektwelten zu facilitieren, hat am 24. und 25. November die Möglichkeit von Janek zu lernen.

 

 

Noch flink verlinkt:

Schnappt euch was von unserem Remote-Know-How:
https://qundg.de/remote-know-how/ 

Bessere Remote-Meetings kann man lernen – in unserer Facilitation-Ausbildung:
https://qundg.de/einzel-training-fuer-bessere-remote-meetings/ 

Die spannendsten unserer mehr als 300 Remote-Workshops: https://qundg.de/loesung/in-die-kachel-fertig-los/ 

Unser New-Work-Quartett kostenlos bestellen auf:
https://qundg.de/new-work-quartett 

In bunt und regelmäßiger als im Newsletter gibt’s uns auf: https://www.instagram.com/qundg/

Über Arbeit können wir uns beschweren – oder sie besser machen. Und das nennen wir: überarbeit. 

Hilfst du uns bei dieser Mission? Dann leite diesen Newsletter doch einfach weiter!

Außerdem freuen wir uns wie ein veganes Schnitzel über Leser*innen-Briefe oder Antworten. Was hat gefallen, was interessiert dich, was hat gelangweilt? 

Auf bald

deine quäntchen

Tobias Reitz

Über den Autor

Tobias Reitz

Tobi ist Diplom-Online-Journalist, stolzer Papa und war vor elf-komma-ebbes Jahren Mitgründer von quäntchen + glück. Seitdem hat er nie das Unternehmen, wohl aber seine Jobs gewechselt. Erst entwickelte er Content- und Social-Media-Strategien, dann konzipierte er Websites, heute moderiert er Workshops – am liebsten Design Sprints – und begleitet Veränderungsprozesse. „Challenge the Status Quo“, steht auf einem seiner T-Shirts. Und das macht Tobi: mit seinen Kunden, mit quäntchen + glück und mit seinem Leben. Die neueste Challenge: Für den „Summer of Pioneers“ ist er mit Anna und den Kids aus dem urbanen Rhein-Main-Gebiet ins ländliche Nordhessen gezogen: sechs Monate Co-Living und Co-Working in Fachwerkidylle – auf der Suche nach der Zukunft von Land und Leben. Nur eines wird sich wohl nie ändern: Tobi gibt’s nur mit Batschkapp‘ auf dem Kreativkopf.

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