VON Lena Müller ZU Veranstaltung | 20.11.2020
SCHLAGWÖRTER

Methoden-Meetup

für effektiveren Klimaschutz

Seit über einem Jahr arbeiten Jacob, Anna und Sophie in unregelmäßigen Meetups mit Klima-Aktivist*innen an der Zusammenarbeit in ihren Klimagruppen. Von den Moderationsgrundlagen wie Timeboxing und Check-Ins über Kreativ-Methoden bis hin zu Entscheidungs-Frameworks haben sie schon eine Bandbreite an Methoden mit den Aktivist*innen ausprobiert. Nach dem siebten Meetup nehmen wir uns kurz Zeit, die bisherige Zeit zu reflektieren.

Ach, und wer Lust hat, kann sich hier in die Meetup-Gruppe eintragen.

 
 
 
Lena: Jacob, du organisierst zusammen mit Anna und Sophie das Klima-Meetup „Methodentraining: Effektive Treffen für wirksamen Aktivismus“. Wen ladet ihr dazu denn regelmäßig ein? Und wofür bietet ihr es an?

Jacob: Wir laden Menschen ein, die sich für den Klimaschutz einsetzen. Die sind meist in Vereinen, Gruppen, Organisationen – wie Klimaentscheid, Extinction Rebellion & Fridays for Future – unterwegs. Aber wir laden auch Menschen ein, die sich in ihren Start-ups oder Unternehmen mit dem Klimaschutz beschäftigen. Meist nutzen diese Menschen für ihr Engagement ihre Freizeit für gemeinsame Treffen. Und dafür möchten wir denjenigen bessere Werkzeuge mitgeben, damit ihre Treffen mehr Spaß machen und effektiver sind. So können Sie in der eh schon knappen Zeit besser miteinander arbeiten.

Lena: Sind diese Gruppen und Vereine auch der Grund für den lokalen Bezug des Meetups auf das Rhein-Main-Gebiet?

Jacob: Ja, genau. Neben dem Lernen der Methoden und des Know-Hows haben wir auch das Ziel, die Akteure zu vernetzen. Wir wollen, dass sich Menschen aus unterschiedlichen Gruppen, Organisationen und Vereinen sich begegnen und kennenlernen.

Lena: Hast du für mich auch ein, zwei Themenbeispiele, die ihr bislang in dem Methoden-Meetup schon behandelt habt?

Jacob: Klar! Wir haben bislang 7 Treffen organisiert – am Anfang noch bei uns in der queststadt. Beim ersten Treffen gab es Moderations- und Methoden-Basics wie Timeboxing oder Check-In. Und darauf aufbauend haben wir dann mithilfe der Methoden geschaut, was aktuelle Probleme und Herausforderungen sind. Deswegen haben wir auch gerne Leute aus dem Klimaschutz dabei, weil wir die Methoden auch inhaltlich an Klimaschutz-Fragen üben können. Das zweite Treffen drehte sich dann um das Problem, welches sich aus im ersten Meetup ergab. Andere Methoden, die wir schon beigebracht haben, waren viele Kreativitätstechniken – wie Brainwriting, die 6-3-5-Methode und andere Liberating Structures.

Lena: Kann man die Inhalte der vergangenen Meetups auch nachträglich noch abrufen?

Jacob: Wir zeichnen unsere Treffen nicht auf, aber wir haben ein Lern-Board entwickelt. Das ist ein Trello-Board, auf dem wir die Methoden und Inhalte der Treffen beschreiben – vor allem auch die Anmoderation dieser und den Einsatz der Methoden. Auf dem Board kann man schauen, wie das am Abend aussah oder nach Themen filtern. Wir wissen von einigen, die das Board auch später noch als Nachschlagewerk nutzen.

Lernboard des Klima-Meetups

 

Lena: Das ist super hilfreich. Vor allem auch für all diejenigen, die beispielsweise neu zur Meetup-Gruppe hinzukommen und sich so das Basis-Wissen auch anschauen können.

Jacob: Genau, und es hat auch noch einen zweiten Vorteil. Denn so müssen die Teilnehmer*innen an dem Abend nicht selbst mitschreiben. Das übernehmen wir. Die Teilnehmer*innen können sich darauf konzentrieren, die Methode zu erleben, zu reflektieren und mitzumachen.

Lena: Wie läuft so ein typisches Meetup von euch ab?

Jacob: Die Leute kommen an, meist sind wir zwischen zehn und zwanzig Personen. Vor Ort gab es immer ein Ankommensboard – remote machen wir jetzt beispielsweise einen Check-In im Chat. Dann nutzen wir zu Beginn die Methode des Impromtu-Networkings, da der Vernetzungsaspekt ja auch wichtig ist. Das machen wir sowohl vor Ort als auch remote, indem wir zwei Personen für eine kurze Zeit virtuell in Breakouts oder sich gegenüberstehend zusammen stecken und sie über eine Leitfrage sprechen lassen.

Danach gehts dann methodisch in den eigentlichen Inhalt. Wenn wir eine Methode vorstellen, dann üben wir diese mit den Teilnehmenden. Und nach jedem Haupt-Lernelement gehen wir in eine gemeinsame Reflexion. Wir haben dafür ein Board, worüber wir mit den Teilnehmer*innen in den Austausch gehen zu Fragen wie „Was sind Stolpersteine?” oder „Was habt ihr beobachtet?”.

Lena: Das klingt nach viel Mitmachen und Mitlernen!
Kommen wir nun zu dem letzten Meetup „Entscheidungsfindung”: Wie seid ihr denn auf das Thema gekommen? War das auch wieder ein Wunsch von den Teilnehmenden?

Jacob: Dieses Mal war es beides: Es wurde einzeln immer mal wieder von Teilnehmenden gesagt „Ach, Entscheidungen zu treffen, ist auch immer so schwierig” und auch für uns bietet das Meetup natürlich die Gelegenheit, Methoden zu erproben oder neue kennenzulernen.

Entscheidungsverfahren gibt es ja einige, aber viele kennen sie gar nicht. Und deswegen haben wir uns zwei spannende rausgesucht und eine Übersicht mit Vor- und Nachteilen und deren Einsatz gegeben. Damit kann die Gruppe auf einen kleinen Werkzeugkoffer voller Entscheidungsverfahren zurückgreifen.

Lena: Was war denn dein AHA-Moment oder Highlight des letzten Meetups?

Jacob: Ich diente als Beispiel für die Methode „Integrative Decision Making”. Dabei habe ich fiktiv die Spannung kommuniziert, dass ich das Meetup nicht mehr am Abend machen möchte. Und danach haben wir den Ablauf des Integrative Decision Making durch exerziert und die Teilnehmer*innen sind gemeinsam auf Lösungssuche für mein Problem gegangen.
Und das Spannende war – obwohl das nur ein Beispiel war – wie krass ich mich gehört und gesehen gefühlt habe. Weil die Methode so viel Verständnis und Empathie hat entwickeln lassen, dass es fast schon ungewohnt war, so viel Raum zu bekommen.

Auch das „systemische Konsensieren” hatte einen AHA-Moment. Ich war erstaunt, wie schnell man mit verschiedenen Vorschlägen arbeiten kann und auch sehen kann, welcher Vorschlag den geringsten Widerstand hat.

Lena: Das hab ich auch gemerkt, als ich mir nachträglich euer MURAL-Board noch mal angesehen habe. Selbst als Nicht-Teilnehmer*in war das sehr schnell aufzunehmen und interessant.

Jacob: Ja. Und generell ist ein AHA-Moment immer noch, was die Gruppe für Ideen, Varianten, Bedenken hat. Es ist schön zu sehen, dass der Austausch und das Lernen miteinander so gut funktioniert und auch uns immer noch neue Impulse gibt.

Lena: Danke, dass du dir Zeit genommen hast!

Jacob: Sehr gerne, sehr gerne!

Was wir im letzten Meetup gemacht haben, hat Jacob zusammengefasst.

Lena Müller

Über den Autor

Lena Müller

Lena ist unsere allererste Remote-Praktikantin, die uns in ihrer Zoom-Kachel ab dem ersten Kennenlernen völlig von sich überzeugt hat. Ein Herz für Nachhaltigkeit, ein Talent für Kommunikation und ein eigenes Frühstücks-Blog – wer kann da nein sagen? Genau, niemand. Auch wir riefen laut „Ja!” zu Lena und freuen uns, dass sie unser Team mit ihrem Gespür für offene Baustellen, ihrer Anpackerinnen-Attitüde und ihrer Lust an Social Media und Text ein ganzes Stückchen besser macht. Nur eines finden wir wirklich schade: Lenas Smoothies, Pancakes und Frühstücks-Aufläufe (ja, ernsthaft) müssen wir leider durch die Webcam bewundern.

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